Bava Batra 221

Kapitel 221

א (במדבר לו, ח) וכל בת יורשת נחלה ממטות בני ישראל היאך בת יורשת שני מטות אלא זו שאביה משבט אחד ואמה משבט אחר ומתו וירשתן
1 <i>Und jede Tochter, die zu Erbbesitz gelangt in einem von den Stämmen der Kinder Jisraél;</i> wie kann es nun Vorkommen, daß eine Tochter zu einem Erbbesitze aus zwei Stämmen gelangt? Wenn ihr Vater von einem Stamme und ihre Mutter von einem anderen Stamme abstammt und gestorben sind, und sie sie beerbt hat.
ב ואין לי אלא בת בן מנין אמרת קל וחומר ומה בת שהורע כחה בנכסי האב יפה כחה בנכסי האם בן שיפה כחו בנכסי האב אינו דין שיפה כחו בנכסי האם וממקום שבאת מה להלן בן קודם לבת אף כאן בן קודם לבת
2 Ich weiß dies nun von einer Tochter, woher dies von einem Sohne? Dies ist [durch einen Schluß] vom Leichteren auf das Schwerere zu folgern: wenn eine Tochter, die ein geringeres Recht auf das Vermögen des Vaters hat, ein gutes Recht auf das Vermögen der Mutter hat, um wieviel mehr hat ein Sohn, der ein besseres Recht auf das Vermögen des Vaters hat, ein gutes Recht auf das Vermögen der Mutter. Und hieraus ferner: wie da ein Sohn einer Tochter vorgeht, ebenso geht auch hierbei ein Sohn einer Tochter vor.
ג ר' יוסי בר' יהודה ור"א בר' יוסי אמרו משום רבי זכריה בן הקצב אחד הבן ואחד הבת שוין בנכסי האם מאי טעמא דיו לבא מן הדין להיות כנדון
3 R. Jose h. R. Jehuda und R. Elea͑zar b. R. Jose sagten im Namen des R. Zekharja h. Haqaçab: Ein Sohn und eine Tochter gleichen einander bezüglich des Vermögens der Mutter. – Aus welchem Grunde? – Es genügt, wenn das Gefolgerte dem gleicht, wovon es gefolgert wird. –
ד ותנא קמא לא דריש דיו והא דיו דאורייתא הוא
4 Hält denn der erste Autor nichts von [der Regel] ‘es genügt’, diese Regel ist ja aus der Tora!?
ה דתניא מדין קל וחומר כיצד (במדבר יב, יד) ויאמר ה' אל משה ואביה ירק ירק בפניה הלא תכלם שבעת ימים קל וחומר לשכינה ארבעה עשר
5 Es wird nämlich gelehrt: Ein Beispiel für [den Schluß vom] Leichteren auf das Schwerere:<i>Da sprach der Herr zu Moše: Wenn ihr Vater ihr ins Gesicht gespuckt hätte, sie sich nicht sieben Tage lang schämen müssen;</i> man sollte nun vom Leichter en auf das Schwerere folgern, daß wegen [Beleidigung der] Göttlichkeit dies vierzehn Tage währen sollte;
ו אלא דיו לבא מן הדין להיות כנדון
6 aber es genügt, wenn das Gefolgerte dem gleicht, von dem es gefolgert wird. –
ז בעלמא דריש דיו ושאני הכא דאמר קרא ממטות מקיש מטה האם למטה האב מה מטה האב בן קודם לבת אף מטה האם בן קודם לבת
7 Anderweitig hält er wohl von [der Regel] ‘es genügt’, hierbei aber ist es anders, denn die Schrift sagt: <i>von den Stämmen</i>, sie vergleicht also den mütterlichen Stamm mit dem väterlichen Stamme; wie beim väterlichen Stamme der Sohn der Tochter vorgeht, ebenso geht auch beim mütterlichen Stamme der Sohn der Tochter vor.
ח רב ניתאי סבר למעבד עובדא כר' זכריה בן הקצב אמר ליה שמואל כמאן כזכריה אפס זכריה רבי טבלא עבד עובדא כרבי זכריה בן הקצב א"ל רב נחמן מאי האי א"ל דאמר רב חיננא בר שלמיא משמיה דרב הלכה כרבי זכריה בן הקצב אמר ליה זיל אהדר בך ואי לא מפיקנא לך רב חיננא בר שלמיא מאוניך
8 R. Nithaj wollte eine Entscheidung treffen nach R. Zekharja b. Haqaçab, da sprach Šemuél zu ihm: Wohl nach Zekhar ja b. Haqaçab, aber mit Zekharja ist es aus. R. Tabla traf eine Entscheidung nach R. Zekharja b. Haqaçab, da sprach R. Naḥman zu ihm. Was soll dies? [Dieser erwiderte:] R. Ḥenana b. Šelemja sagte im Namen Rabhs, die Halakha sei wie R. Zekharja b. Haqaçab. Jener entgegnete: Geh und widerrufe, sonst treibe ich dir den R. Ḥenana b. Šelemja aus deinen Ohren.
ט רב הונא בר חייא סבר למעבד עובדא כרבי זכריה בן הקצב אמר ליה רב נחמן מאי האי אמר ליה דאמר רב הונא אמר רב הלכה כר' זכריה בן הקצב אמר ליה אשלח ליה איכסיף אמר ליה השתא כי נח נפשיה דרב הונא איתריסת לקבלי
9 R. Ḥon a b. Ḥija wollte eine Entscheidung treffen nach R. Zekharja b. Haqaçab, da sprach R. Naḥman zu ihm: Was soll dies? Dieser erwiderte: R. Ḥona sagte im Namen Rabhs, die Halakha sei wie R. Zekharja b. Haqaçab. Jener entgegnete: Soll ich es ihm mitteilen? Da wurde er verlegen. Hierauf sprach jener: Wäre R. Ḥona tot, so würdest du mich bekämpft haben. –
י ואיהו כמאן סברה כי הא דרב ושמואל דאמרי תרוייהו אין הלכה כר' זכריה בן הקצב
10 Wessen Ansicht war er? – Wie Rabh und Šemuél, die beide sagten, die Halakha sei nicht wie R. Zekharja b. Haqaçab.
יא מיסתמיך ואזיל רבי ינאי אכתפא דרבי שמלאי שמעיה ואתי ר' יהודה נשיאה לאפייהו א"ל בר אינש דאתא לקיבלנא הוא יאי וגולתיה יאי כי מטא לגביה גששה אמר ליה דין שיעוריה כשק
11 Einst ging R. Jannaj gestützt auf die Schulter seines Dieners R. Šimlaj, und R. Jehuda, der Fürst, kam ihnen entgegen. Da sprach jener: Der Mann, der uns entgegenkommt, ist vornehm und sein Gewand ist vornehm. Als dieser herankam, betastete er ihn und sprach: Auch bei diesem ist dasselbe Maß festgesetzt wie bei einem härenen Gewände.
יב בעא מיניה מנין לבן שקודם לבת בנכסי האם אמר ליה דכתיב מטות מקיש מטה האם למטה האב מה מטה האב בן קודם לבת אף מטה האם בן קודם לבת א"ל אי מה מטה האב בכור נוטל פי שנים אף מטה האם בכור נוטל פי שנים
12 Hierauf fragte ihn dieser: Woher, daß beim Vermögen der Mutter der Sohn der Tochter vorgehe? Jener erwiderte: Es heißt <i>Stämme</i>, dies vergleicht den Stamm der Mutter mit dem Stamme des Vaters: wie beim Stamme des Vaters der Sohn der Tochter vorgeht, ebenso geht auch beim Stamme der Mutter der Sohn der Tochter vor. Dieser entgegnete: Demnach sollte doch, wie beim Stamme des Vaters der Erstgeborene einen doppelten Anteil erhält, auch beim Stamme der Mutter der Erstgeborene einen doppelten Anteil erhalten!?